Von Drückern, Gürtlern und Primaballerinen

Leuchten Manufactur Wurzen

Eingangsbereich LMW
Der schmale holzvertäfelte Gang wird geziert von historischen Zeichnungen und zeugt damit von der langen Geschichte des Unternehmens. Foto: Christin Pomplitz

 

"Wurzen ist nicht der Nabel der Welt, aber es ist eine Perle"

 

Die Leuchten Manufactur befindet sich nach wie vor genau da, wo sie 1862 als „Sächsische Broncewarenfabrik K. A. Seyffert“ gegründet wurde, inmitten der Ringelnatzstadt unweit der Mulde. Es macht den Anschein, als wandelte der Geist von Karl-August Seyffert noch immer durch die Räume des Gründungssitzes. Als schaute er einem über die Schulter in alte Musterbücher und die vielen Entwürfe, prüfe die Gussmodell Sammlung und beobachte neugierig den geplanten Ausbau der Werkstatt. Trotz oder gar Dank Höhen und Tiefen, wie dem Neustart 2015, steht das Unternehmen auch nach über 150 Jahren für Tradition und Qualität.

 “Wurzen ist nicht der Nabel der Welt, aber es ist eine Perle”, darum bereut es Gabriele Pötzsch auch keinen einzigen Tag, das Traditionsunternehmen 2015 übernommen zu haben. Gabriele Pötzsch kam 2006 als Vertrieblerin für den russischen Markt in das Unternehmen. Seit dieser Zeit habe sich die Kundschaft zwar kaum verändert, jedoch die Ansprüche und Anforderungen insbesondere der Privatkunden an die Leuchtkörper. 


 

Nachhaltigkeit und Langlebigkeit, darauf setzt das Unternehmen nicht erst seitdem “YouTuber” eine Berufsbezeichnung ist. Das Hauptgeschäftsfeld der Leuchten Manufactur Wurzen liegt in der Restauration und Rekonstruktion von historischen Leuchten. “ Unser Anspruch ist es, langlebig zu produzieren, und zwar so, dass die Produkte jederzeit veränderbar sind, ohne etwas wegwerfen zu müssen”, erklärt die Geschäftsführerin. 

 

Von Wurzen bis nach Israel

 

Die Qualität überzeugt über die Landesgrenzen hinaus. In die Schweiz, nach Russland und sogar Israel werden die Leuchten der Manufactur aus Wurzen geliefert. Besonders bekannt und beliebt für ihre sorgfältige und gewissenhafte Arbeit ist die Leuchten Manufactur aber bei ansässigen Kunden. Darum ist es kein Wunder, dass die meisten Privataufträge, aber auch das ein oder andere öffentliche Projekt, durch persönliche Empfehlungen auf dem Tisch von Gabriele Pötzsch landen.

 

Die alten Kataloge werden auch heute noch zu Rate gezogen. Diese und das reich gefüllte Lager zeugen von der Qualität, mit der die Manufactur bis heute überzeugt.
Foto: Christin Pomplitz

Für die Restauration und Rekonstruktion historischer Leuchten braucht es viel Erfahrung und Feingefühl. Damit und vielem mehr überzeugt die Leuchten Manufactur nach wie vor seit weit über 100 Jahren. Foto: Christin Pomplitz
Für die Restauration und Rekonstruktion historischer Leuchten braucht es viel Erfahrung und Feingefühl. Damit und vielem mehr überzeugt die Leuchten Manufactur nach wie vor seit weit über 100 Jahren. Foto: Christin Pomplitz

“Wir tun alles, damit unsere Kunden zufrieden sind”, erklärt die resolute Inhaberin. Das beginne schon beim Erstkontakt: Mit einem persönlichen Gespräch, der Begehung der Räumlichkeiten in denen die Leuchte zur Geltung kommen soll, über die Beratung zur Oberfläche des Materials, Leuchtmitteln und deren Berechnungen,  bis hin zur Restauration bestehender Leuchten und ende erst, wenn die Leuchte fertig montiert und alle Arbeitsspuren vor Ort beseitigt seien. “Der eine Kunde möchte das Rundum-Sorglos-Paket, der andere möchte das nicht. Darum liefern wir auf Wunsch auch lediglich die Leuchte und der Elektriker des Vertrauens montiert sie.” 

 

Ob mit oder ohne Montage, die Mitarbeiter der Leuchten Manufactur erfüllen jeden Auftrag mit Herz und Hand. Das kann auch schon mal zu emotionalen Momenten führen. “Es kann schon vorkommen, dass unsere Mitarbeiter, allesamt gestandene Persönlichkeiten, Tränen in den Augen haben, wenn eine Leuchte zum ersten Mal angeschlossen wird”, verrät Frau Pötzsch mit einem Augenzwinkern. Die Magie der Leuchten zu beschreiben sei nicht so einfach und würde ihnen auch nicht gerecht, “ es ist die Kombination aus der Leuchte, der Arbeit die darin steckt und dem Raum, den sie mit Licht erfüllt“, erklärt die Marketingbeauftragte Doreen Scholz. Dieses Zusammenspiel sei es, das den Wow-Effekt und Emotionen hervorbringe.

Doreen Scholz und Felix Aust im Gespräch
Doreen Scholz ist u.a. Marketingverantwortliche der LMW und zeigt uns im Lager die glänzenden Schätze der Manufaktur. Foto: Christin Pomplitz

„Es ist nicht leicht“ 

 

Für die Zukunft wünscht sich Frau Pötzsch am meisten, dass der Handwerksberuf insgesamt wieder mehr Beachtung und Würdigung erfährt. Dafür braucht es Menschen. Menschen wie Gabriele Pötzsch und Doreen Scholz, die Schulklassen und Besuchern, zum Beispiel zu den Tagen der Industriekultur, zeigen, wie faszinierend die Handarbeit ist und die jedem einzelnen Mitarbeiter den gebührenden Respekt zollen. 

„Jeder hier ist in seinem Gebiet eine Solist.” Jeder Mitarbeiter habe eine Fähigkeit, die nur er so gut könne. Für das erfolgreiche Gelingen eines Projektes sei es notwendig, aus den einzelnen Primaballerinen ein Team zu formen, damit es ein Gesamtbild ergebe. „Das haben wir geschafft und jetzt brauchen wir die nächsten Primaballerinen”, lachen die beiden Frauen.  Trotz aller Fröhlichkeit die am Tisch herrscht, wird schnell klar, Nachwuchs zu finden „ist nicht leicht“. „Aber es ist an uns, dies zu intensivieren“, ist sich Frau Pötzsch bewusst. Sie weiß auch, “wenn wir jemanden ausbilden und ihn im Unternehmen behalten möchten, müssen wir ihm berufliche Perspektiven bieten.“ Heutzutage reiche es nicht, Mitarbeiter über Geld zu motivieren. „Geld ist das eine, aber wie man so schön sagt, die Work-Life-Balance spielt eine viel größerer Rolle“ und da gehöre viel mehr dazu als Geld.

 

Klar ist aber, wer in der Leuchten Manufactur Wurzen arbeitet, wird von Tag eins zum vollwertigen Teammitglied, ganz gleich ob Auszubildende oder langjährige Mitarbeiter. In diesem Betrieb stehe jeder für jeden ein. „Man kann alles lernen, aber nur zu einem gewissen Grad. Man muss Bock haben, Neugierde und Leidenschaft“, und das in einem einzigen Gespräch sicherzustellen sei kaum möglich. Darum ist es künftig eine Voraussetzung, vor Ausbildungsstart ein zweiwöchiges Praktikum in der Manufaktur abzuleisten.  


Ablauf der Ausbildung zum Metallbildner mit Fachrichtung Drücker und Gürtler:

 

1. Lehrjahr: Erlernen handwerklicher Basics, Erlernen der einzelnen Arbeitsgänge wie Metall bearbeiten und formen, Oberflächen bearbeiten (mattieren, polieren)

2.  Lehrjahr: Entwicklung einer eigenen Leuchte von der Zeichnung bis zur Herstellung

3.  Lehrjahr: Leuchten bauen, Mitarbeit in der Produktion und Erstellung des Gesellenstücks

 

Pro Lehrgang werden zwei Lehrlinge eingestellt: Bewerbung

 

Das solltest du mitbringen:

  • handwerkliches Geschick und Sorgfalt
  • technisches Verständnis
  • Sinn für Ästhetik
  • Neugierde
  • Durchhaltevermögen
  • Disziplin "Einmal mehr aufstehen als hinfallen" (Gabriele Pötzsch)

Die Werkbänke in der Werkstatt der Manufaktur warten auf die nächsten Auszubildenden

 Kleiner Tipp von uns: Wer dazu noch erste Arbeitsproben oder Zeichnungen zum Gespräch mitbringt, der hat bei Frau Pötzsch, die sehr genau weiß, was sie will und was nicht, bereits gute Karten.

Postkarte "Metalhead". Illustration Lisa Tasch
Postkarte "Metalhead". Illustration Lisa Tasch
Sticker "Metalhead". Illustration Lisa Tasch
Sticker "Metalhead". Illustration Lisa Tasch

Beitrag von  Christin Pomplitz


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Kontakt

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Projektträger

ZAROF. GmbH Leipzig

Moschelesstraße 7

04109 Leipzig

Telefon 0341 - 217290

Telefax 0341 - 2172911

info@zarof-gmbh.de



 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.


Dieses Projekt wurde vom Projektträger ZAROF. GMBH und Wagler Marketing in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Landkreis Leipzig realisiert.