Was war zuerst da: Fliege oder Ei?

Madebymade GmbH Thesau

Raus aus der Großstadt - rein in den wunderschönen Leipziger Süden. Es ist ein diesiger Septembermorgen, erste Sonnenstrahlen durchdringen die Bäume und eine leichte Brise frischer Landluft weht uns entgegen. Wir sind zu Gast bei der madebymade GmbH in Thesau. Das 2017 gegründete Startup produziert Insektenproteine und Lipide für die Herstellung von Tierfutter. Die Gründer und Geschäftsführer Kai Hempel und Dr. Jonas Finck haben hier eine ehemalige Pelletieranlage ausgebaut und mit der Zucht der Schwarzen Soldatenfliege begonnen: “Die Hallen der Agrargenossenschaft eignen sich gut für unsere Anlage, da sie nahe an der Autobahn und dennoch außerhalb liegen und wir die landwirtschaftliche Umgebung für eine Tierzucht benötigen”. Schon kurz nach Betreten der Hallen nahmen wir den typischen Geruch einer Insektenzuchtanlage gar nicht mehr wahr, sondern widmeten uns voll und ganz der Soldatenfliege und ihren Sprösslingen.

 

Die Idee und erste Anfänge

Während sich Jonas in seinem Studium der Physiologie von Insekten widmete, versuchte Kai eine Aquakultur zu gründen und stellte fest: “Die dafür benötigten tierischen Proteine sind so teuer, dass ich mich mit der Erzeugung dieser Proteine beschäftigte. Das war dann die Geburtsstunde einer Insektenzucht”. In einer Leipziger Garage sammelten sie dann erste Erfahrungen als Insektenzüchter und entwickelten eine Geschäftsstrategie. Von ihrem Business-Konzept überzeugten sie nicht nur die Sächsische Aufbau Bank und sicherten sich ein Technologie-Gründerstipendium, sondern auch einen Leipziger Investor, die Golzern Holding, welcher die Anlagen finanzierte und das Wachstum des Startups förderte.

Auf die Frage, ob er häufig Arbeit mit nach Hause nehme, antwortet Kai trocken: “Immer”. Dabei bezieht er sich nicht nur auf die To Do’s auf seinem Schreibtisch im Bürocontainer, sondern auch auf die Anfänge des Startups in der Garage: “Da hatte man beim Nachhausefahren eigentlich immer noch eine Fliege an sich dran sitzen. Und dann hatte man noch diesen relativ starken Tiergeruch. Da kann man sich vorstellen, dass das zu Hause nicht immer so gut ankam.”

Die Made im Smoothie-Mantel

Nun zurück zu den Larven! Sind diese groß genug, so landet ein Teil von ihnen zurück im Kreislauf. Die Larven verpuppen sich, entwickeln sich zu Schwarzen Soldatenfliegen, diese wiederum paaren sich und legen ihre Eier ab - ein unendlicher Zyklus. Der andere Teil der Larven wird getrocknet und gepresst. Aus deren Verarbeitung entstehen zwei Hauptprodukte: tierisches Fett und tierisches Protein. Zu den Abnehmern des tierischen Proteins gehört u.a. ein Berliner Startup, das Hundefutter herstellt. In Zukunft soll das Insektenmehl für die Aquakultur verwendet werden. Für Hühner und Schweine ist es aktuell noch nicht zugelassen doch auch dies, sind die Gründer überzeugt, ist nur eine Frage der Zeit.

Stichwort: Nachhaltigkeit

“Wenn man sich an ein Huhn oder ein Schwein auf dem Bauernhof erinnert, das herum scharrt und Insekten frisst, sollte man es als Vorteil sehen, dass wir uns auf die natürliche Ebene der Tiere zurück bewegen.” Das Insektenmehl des Startups ist qualitativ vergleichbar mit Fisch- und Sojamehl, welches als Tierfutter verwendet wird. Ein ganz klarer Vorteil des Insektenmehls ist, dass für dessen Herstellung keine Meere überfischt und keine Wälder gerodet werden müssen. Ebenso erübrigen sich für den europäische Markt lange Importwege und hohe Importkosten. Auch der biologische Dünger - ein Erzeugnis der Larven-Mast - und die geringe Emission von Treibhausgasen bei der Zucht der Tiere gehören zu den Vorteilen in puncto Nachhaltigkeit.

Zukunftsvisionen

Die Gründer von madebymade blicken in eine vielversprechende Zukunft. Erst kürzlich haben sie ihren Fünfjahresplan aufgestellt. In fünf Jahren sollen vier Anlagen, davon eine in Thesau, eine weitere in Deutschland und zwei Anlagen im Ausland stehen. Entsprechende Anfragen haben sie schon aus Vietnam, Russland, Mittelamerika und Nordafrika erhalten. Auch Initiativbewerbungen erreichen das Startup. Kai betont an dieser Stelle die Unterstützung des Landratsamts bei der Fachkraftsuche sowie Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Einen klaren Standortvorteil sieht er im Leipziger Süden: “Viele Menschen hier arbeiten im Norden bei großen Unternehmen wie DHL oder Porsche und haben einen langen Arbeitsweg. Diese Leute kommen auf uns zu. Warum nicht einen Job in der Nähe annehmen?” Gleichzeitig blickt Kai dem Fachkräftemangel in Zukunft kritisch entgegen: “Jemanden zu finden, der/die sich acht Stunden auf den Gabelstapler setzt, das wird schwer”.

 

Für die Produktion der Anlagen benötigt das Startup auch Fachkräfte aus diversen Industriebranchen. Aus diesem Grund plant madebymade längerfristig, die benötigten Anlagen selbst zu bauen. Die Fachkräfte dafür wollen sie mit ihrer Firmenkultur des nachhaltigen Handelns, dem aktuellen Standort und ihrer zukunftsweisenden Technologie überzeugen. Für die Zukunft wünscht sich Kai außerdem, dass sich infrastrukturelle Prozesse, wie z.B. der Anschluss an das Strom- und Gasnetz verschnellern und sich bürokratische Hürden bei der Expansion von Unternehmen verringern. “Es gibt viel Potential, viele leere Hallen der Agrargenossenschaft, die sich für Werkstätten oder Tech-Unternehmen eignen würden.”

Auch wir sehen das Potential des Leipziger Südens und sind uns einig: madebymade ist das perfekte Beispiel dafür, dass innovative Startups nicht nur im städtischen, sondern auch im ländlichen Raum funktionieren und wachsen können. Wir wünschen den beiden Gründern weiterhin viel Erfolg, stets fleißige Soldatenfliegen und hungrige Nachkömmlinge!

 

Apropos Nachkömmlinge: Hast du Lust, mehr über die Arbeit von madebymade zu lernen und die Entwicklungsphasen der Soldatenfliege zu begleiten? Das Startup ist gerade auf der Suche nach Fachkräften, welche die Zucht und Produktion in ihrer Agrarhalle unterstützen (Teil- oder Vollzeit). Schicke deine Initiativbewerbung einfach an info@madebymade.eu.

Mehr Informationen findest du unter: http://www.madebymade.eu/.

Beitrag von  Daniel Seibert

Postkarte "Querdenker:in". Illustration Lisa Tasch
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Sticker "Querdenker:in". Illustration Lisa Tasch
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Fotos: Vom LKL Gesucht & madebymade GmbH, Verfasser: Daniel Seibert 


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Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.


Dieses Projekt wurde vom Projektträger ZAROF. GMBH und Wagler Marketing in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Landkreis Leipzig realisiert.