Senioren im Grünen

Das Seniorenheim am Stadtpark

Wo endet eigentlich die S6? Keine Ahnung? Die Endstation liegt im Sächsischen Hügelland, um genau zu sein in einer Stadt, die die Einheimischen “Geidn” nennen. Ortsfremde hingegen nennen die am Wickershain gelegene Stadt Geithain, und genau dorthin geht die Reise.  

Das SAS liegt inmitten des Stadtwaldes  von Geithain
Das SAS liegt inmitten des Stadtwaldes von Geithain

Denn Geithain steht nicht nur für Sehenswürdigkeiten wie den Pulverturm oder den Marktbrunnen. Auch die sozialen Einrichtungen wie das Seniorenheim am Stadtpark untermauern Geithains Anspruch an Lebensqualität und Heimatverbundenheit.

 

Frühling im Park 

 

Wenn man in Geithain aus der S6 steigt, stellt sich ein widersprüchliches Gefühl ein. Die Stadt mit rund 7.000 Einwohnern ist einerseits abgelegen, andererseits gut angebunden. Leipzig und Chemnitz sind mit dem Zug in nur 30 Minuten zu erreichen, dennoch wirkt der Ort urtümlich und sanft. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs schaut der Frühling noch durchs Schlüsselloch, aber die ersten Vögel des Jahres zwitschern bereits von den Bäumen.

Gleichzeitig weht aus einem gekippten Fenster herzliches Lachen auf die Straße.  Das Fenster, aus dem das Lachen stammt, gehört zum SAS, dem Seniorenheim Am Stadtpark. Bereits seit 25 Jahren besteht die Einrichtung. Sie umfasst eine vollstationäre Betreuung, einen Pflegedienst und eine Tagespflege, in der ältere Menschen ihre Tage in Gemeinschaft verbringen.

Gute Laune scheint hier Alltag zu sein, denn auch die Rezeptionistin grüßt mit heiterem Blick. “Sie möchten zu Frau Günther?” fügt sie fröhlich an, während sie den Weg in das Büro der Einrichtungsleiterin weist.

 

Quereinsteigende Fachkräfte?

 

 

Die Einrichtungsleiterin, das ist Bianca Günther. Zu Ihrer aktuellen Position kam sie über Umwege. Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte begann in der Verwaltung und arbeitete sich durch eine gesonderte Ausbildung bis zur Leiterin des Pflegeheims hoch. Ebenfalls im Büro ist Melanie Hanschmann, Auszubildende zur Pflegefachkraft im zweiten Lehrjahr. Ihre erste Ausbildung zur Ergotherapeutin legte sie nieder, um sich in der Pflege zu verwirklichen.

In der Pflege ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass Menschen aus anderen Berufen quereinsteigen. Einer der neueren Pfleger im SAS war vorher Industriemechaniker. Er arbeitete am Band und mit Maschinen. Teilweise kommen sogar Auszubildende aus weit entfernten Ländern nach Deutschland, um hier die duale Ausbildung zu absolvieren. Einen von ihnen werden wir gleich noch treffen.

Die Pflege ist eine wichtige Stütze der Gesellschaft, erklärt Günther:  “Früher gab es ja die Großfamilien, man lebte zusammen. Heute arbeiten die meisten Menschen bis 67. Danach werden sie hier aufgefangen, sie sind unter Gleichgesinnten, bekommen Beschäftigung und tauschen sich aus.

Der Stolz des Seniorenheims: die neue pflegegerechte Badewanne
Der Stolz des Seniorenheims: die neue pflegegerechte Badewanne

Doch auch wenn Quereinsteiger:innen in die Pflege drängen, auch in Geithain spürt man den Fachkräftemangel. Es ist schwer geworden genug geeignete Auszubildende zu finden, “weil niemand mehr in die Pflege möchte”, resümiert Günther. Die anhaltende Diskussion der Pflegesituation in Politik und Medien verunsichert viele potenzielle Bewerber:innen. Das sei bedauerlich, so Günther weiter, denn die Pflege sei eine Branche, die die Mitarbeitenden zwar fordere, aber auch auf viele Weisen entlohne. Besonders die engen Bindungen zu den Klienten:innen gebe den Mitarbeiter:innen ein gutes Gefühl.

 

Ich habe neulich eine Bewohnerin im Pflegebad gebadet”, erinnert sich die Auszubildende Melanie, “die Dame hat den zweiten Weltkrieg miterlebt und hat wirklich schwere Zeiten hinter sich. Wenn sie in der Wanne liegt, ist sie total glücklich und erzählt wie gut sie es heute hat. Das sind so Geschichten, die bei uns bleiben, im Kopf.”

 

Die Motive sich als Pflegekraft zu bewerben sind vielfältig, sagt Bianca Günther, sie erkennt das an den Bewerbungen. Oft sehnen Berufstätige sich nach Neuorientierung, nach Arbeit mit Menschen, nach geregelten Arbeitszeiten. Wichtig sei dabei eine soziale Grundeinstellung. Man müsse auf Menschen zugehen können und Interesse an ihnen haben.

Der oder die ideale Bewerber:in sollte ein freundliches Auftreten sowie Teamgeist haben, und das auch nach außen präsentieren. Um zu sehen, ob die Chemie stimmt, gibt es Schnuppertage, nach denen auch die Klient:innen befragt werden, wie sie die Bewerber:innen wahrgenommen haben.

Wegens des kurzen Weges lädt der Stadtpark Gaithain auch die Senioren des Pflegeheims zum Entspannen und Verweilen ein
Wegens des kurzen Weges lädt der Stadtpark Gaithain auch die Senioren des Pflegeheims zum Entspannen und Verweilen ein

Beim Rundgang durch das Seniorenheim und einem Blick durch die Fenster, zeigt sich der malerische Park. Kräftige, Jahrzehnte alte Bäume säumen ein zartes Bächlein. Ein älterer Herr kommt mit seinem Rollstuhl angefahren, dabei winkt er uns bereits aus der Ferne. Auf den Fluren herrscht geschäftiges Treiben. Die Wände sind mit Bildern und Fotografien dekoriert, die Landschaften und Schiffe zeigen. Wie in einem Ameisenhaufen geht jeder Mitarbeiter hier seinen Aufgaben nach. Es ist Zeit für Kaffee und Kuchen.

Die Auszubildenden Duc und Melanie mit der Pflegeheimleiterin Frau Günther
Die Auszubildenden Duc und Melanie mit der Pflegeheimleiterin Frau Günther

 

Vietnamesische Verstärkung

 

Im Essenssaal kümmert sich ein Auszubildender mit Unterstützung anderer Pflegekräfte um die Wünsche der Bewohner:innen. Er bringt ihnen Kaffee und räumt ihre Teller ab. Die Senior:innen genießen den Service und die Aufmerksamkeit des jungen Mannes. Sein Name ist Duc, er kommt aus Vietnam.

Während die Pflege in Deutschland aus vielen Perspektiven als Problemfall gilt, ist sie für Duc eine Chance. Er und zwei weitere Auszubildende sind aus Vietnam gekommen, um in “Geidn” zu lernen und vom dualen Ausbildungssystem zu profitieren. Eine Win-Win-Situation, in der Duc einen Beruf lernt, der ihn sein Leben lang ernähren kann und gleichzeitig das deutsche Lehrlingsdefizit ausgleicht. Das ist allerdings eher ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Pflege oder S-Bahn - Alle einsteigen!

 

Wie so oft im Leben, gibt es auch für die Probleme in der Pflege keine einfachen Antworten. Der Fachkräftemangel und die fehlenden Auszubildenden sind nach wie vor große Themen, insbesondere angesichts der Bevölkerungsentwicklung Deutschlands.

Trotzdem gibt es aber auch Positivbeispiele wie von den Quereinsteigern, die den Beruf attraktiv finden oder Melanie und Duc, die sich dem Pflegekräftemangel entgegenstellen. Festzuhalten bleibt, dass es aktuell hervorragende Einstiegschancen gibt - nicht nur am Ende der S6.

Beitrag von  Steffen Wrede

Postkarte "Wohltäter:in". Illustrtaion Lisa Tasch
Postkarte "Wohltäter:in". Illustrtaion Lisa Tasch
Sticker "Wohltäter:in". Illustrtaion Lisa Tasch
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Dieses Projekt wurde vom Projektträger ZAROF. GMBH und Wagler Marketing in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Landkreis Leipzig realisiert.